The Who and the What

Schauspiel mit Heikko Deutschmann u.a.

Schauspiel in zwei Akten von Ayad Akhtar
Regie: Felix Prader

Inhalt
»Der Riss der Zeit geht durch das Herz«, so übertitelt Autor Daniel Kehlmann seine Laudatio auf Ayad Akhtar, der von einer internationalen Jury mit dem Erwin Piscatorpreis 2019 ausgezeichnet worden war. Ein »Riss der Zeit« geht auch durch das Herz und die Familie des aus Pakistan nach Atlanta im Süden der USA eingewanderten Familienpatriarchen Afzal. Da er aus Überzeugung die überlieferten Konventionen und Werte seines Heimatlandes aufrechterhält, gerät er in einen emotional unlösbaren Vater-Tochter-Konflikt. Afzal hat sich von einem einfachen Taxifahrer zu einem überaus erfolgreichen Taxiunternehmer hochgearbeitet und sich nach dem Tod seiner Frau zwölf Jahren lang liebevoll um die Erziehung seiner beiden nun erwachsenen Töchter gekümmert.
Mahwish möchte endlich die Frau ihres Langzeitfreundes werden, muss – da Afzal an den Traditionen seiner Vorfahren festhält – aber warten, bis ihre ältere Schwester Zarina, eine erfolgreiche Harvard Absolventin, verheiratet ist. Ihr hatte der Vater die Ehe mit ihrer ersten großen Liebe verboten, weil der katholische Collegestudent nicht konvertieren wollte. Nun sucht Afzal auf muslimlive.com, einem muslimischen Ehepartnerportal, einen Mann für sie. Natürlich ohne ihr Wissen hat er unter ihrem Namen Kontaktanzeigen aufgegeben und die Bewerber getroffen. In einer entwaffnend komischen Szene prüft er Eli, einen zum Muslim konvertierten Amerikaner, der in einer kleinen Moschee eine Suppenküche betreibt, auf Glaubensfestigkeit, Einkommen und Kinderwunsch. Dieser – inzwischen achte Kandidat – entspricht all seinen Vorstellungen und wird tatsächlich Zarinas Ehemann. Da sie ihn zufällig schon bei einem Vortrag der Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali kennen gelernt hatte, war sie sicher, dass er ähnlich wie sie weniger ein muslimisch-traditionsgebundenes als ein liberales, westlich orientiertes Leben führen möchte.

Die dramatisch hochexplosive Spannung des vielschichtigen Dramas entwickelt sich aus dem Zündstoff, der sich in dem Inhalt des Romans, an dem Zarina seit Jahren schreibt, verbirgt. In ihrem Porträt des Propheten hinterfragt sie dessen Frauenbild und versucht zu ergründen, WER Mohammed wirklich war – da nur Vordergründiges über ihn bekannt ist: Er war Araber, Aisha war seine Lieblingsfrau, er hat eine Zahnlücke, und so weiter… Brisant ist ihre Auslegung der Koranstellen über Mohammeds Heirat mit seiner Kusine Zaynab, die bis zur Scheidung die Frau seines Adoptivsohnes war. Sind seine Prophezeiungen nur Rechtfertigungen für seine verbotenen Gefühle? Zarinas Roman beginnt, als der Prophet seine ehemalige Schwiegertochter nackt sieht und wie er damit ringt, dass er die Frau seines Sohnes begehrt. Frau Nummer sieben ist der Grund für die Offenbarung über den Schleier. Den Vorhang. (Das arabische Wort ‚Hidschab‘ oder ‚hijab‘, das die Kopfbedeckung der Muslimas bezeichnet, bedeutet ursprünglich ‚Vorhang‘.)
Als Afzal zufällig das fertige Buchmanuskript von Zarina entdeckt, weiß der orthodoxe Muslim sofort, was das bedeutet. Nicht nur für ihn, sondern für alle, die an den Werten der Religion ihrer Heimat festhalten, ist es pure Blasphemie. Er ist zutiefst verletzt, gleichzeitig auch voller Sorge um die Sicherheit seiner Familie. In Pakistan würde man dafür getötet werden. (Das Kopfgeld auf Salman Rushdie, der wegen weit weniger brisanter Inhalte verfolgt wird, wurde 2016 auf fast vier Millionen
Dollar erhöht.) Obgleich er seine Tochter verstößt, wirft man auch seine Fenster ein, und er verliert seine Firma. In diesem »Konfliktstoff, der in seiner Essenz ein großes Hohelied auf die Liebe darstellt, gibt es ein Happy End plus Aussicht auf eine Enkelin!« (Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung, 29.5.2018.) Als Sohn pakistanischer Einwanderer kennt Akhtar die brennenden Fragen nach der Identität im Alltag von Migranten und gibt – auch in diesem Stück niemals einfache Antworten. »Im Stil eines intelligenten Konversationsstückes wird eine anrührende Tragödie erzählt. Akhtars Well-made play behandelt die interkulturellen Probleme mit eindringlicher Farbigkeit, gescheiter Präzision und gelegentlichen ironischen Akzenten, die dem Thema eine anregende Leichtigkeit geben.« (Rüdiger Krohn, Badische Neueste Nachrichten, 5.12.2018.)
Noch einmal Daniel Kehlmann: »Ayad Akhtar ist genau der Schriftsteller, den wir brauchen.«
Die kursiv hervorgehobenen Texte sind Zitate aus „The Who and the What“.

Der Titel
Der rätselhafte Titel erklärt sich durch die zentrale Frage: Was wäre, wenn Mohammed den Koran nicht durch göttliche Eingebung, sondern auf der Basis eigener, höchst menschlicher Erfahrung verfasst hätte? Schlagartig könnte durch solch eine Umkehrung das problematische Frauenbild des Islam kritisch hinterfragt werden, und genau darum geht es Zarina in ihrem Roman, in dem sie versucht, den Menschen Mohammed aufzuspüren.
Ute Baumhackl, Kleine Zeitung , 01.06.2018

„The Who and the What“ bezieht sich auf ein Zitat aus einem Interview des französischen Philosophen Jacques Derrida (1930-2004) über Liebe und den Zusammenhang zwischen dem WER und dem WAS in der Liebe.
Welchen Maßstab legen wir bei der Beurteilung eines Menschen an? Sind wir stärker von dem abhängig, WAS wir über ihn wissen: Herkunft, Erziehung, Beruf, soziale Stellung, Familie, oder beurteilen wir ihn danach, WER dieser Mensch wirklich ist?

PULITZERPREISTRÄGER AYAD AKHTAR ist einer der wichtigsten Dramatiker unserer Zeit. Er arbeitet in den USA, seine Werke haben aber aufgrund unserer sozialen Globalisierung Allgemeingültigkeit. Ja, sie brennen den westlichen Gesellschaften förmlich unter den Nägeln.
Michaela Preiner, www. european-cultural-news. com, 06.06.2018.

The Who and the What“ – ein Kammerspiel, das, pointenreich und provokant geschrieben, das Zeug hat, Säle zu füllen, ein Well-made play.
Frauke Hartmann, Frankfurter Rundschau, 17.01.2017.

Pressestimmen
zur Inszenierung von Felix Prader am Akademietheater Wien

Tiefgründige Komödie feierte Österreichische Erstaufführung.
Felix Prader gelingen schnelle Szenenwechsel, die das über mehrere Jahre spielende Stück temporeich zu einem kurzweiligen Vergnügen machen. Dass keine der Figuren sichtbare Zeichen einer muslimischen Herkunft trägt, macht „The Who and the What“ trotz des religiösen Themas universell. Langanhaltender Jubel für Ensemble und Regie. Ein Abend, der noch lange nachwirkt.
Salzburger Nachrichten, 28.05.2018

FELIX PRADER inszeniert das hervorragend geschriebene Familiendrama humorvoll.
k A. , Falter: Woche, 06.06.2018

Tolles Theater, das den Nerv der Zeit trifft, braucht nicht viel: Manchmal genügen ein (…) Bühnenbild, wundervolle Darsteller, eine unaufdringliche, vielleicht gerade deshalb äußerst wirksame Regie und ein gut gemachtes, aktuelles Stück, das (…) unterhält und belehrt. Tolles Theater braucht sehr viel: All die genannten Faktoren müssen perfekt zusammenpassen. Das ist bei „The Who and the What“ gelungen. Ayad Akhtar, inzwischen Shooting-Star der USLiteratur, hat mit einem raffiniert simplen Stück entzückt. (…) Felix Prader hat sich bei seiner Inszenierung nicht auf Mätzchen eingelassen, (…) er hat ganz einfach ein rasantes Kammerspiel mit fliegendem Szenenwechseln entwickelt. (…) Fazit: hier wird auf höchstem Niveau ein Lehrstück der Toleranz geboten. In diesem Lob der Vielfalt gibt es keine billigen Lösungen. Sanft wird man dazu ermahnt, auch andere Seiten verstehen zu wollen.
Norbert Mayer, Die Presse, 29.05.2018

Die (…) Tragikomödie (…) entpuppt sich als Stück über das Wesen der Liebe.
(…) Und Felix Prader arbeitet diesen Aspekt sorgsam heraus. Ihm gelingt das Kunststück, über den politischen Debattenbeitrag hinaus aufs Mit- und Zwischenmenschliche zu deuten. (…) Viel Jubel für einen klugen Text voll gewitzten Humors und dessen ebensolche Umsetzung.
Michaela Mottinger, Mottingers-Meinung.at, 28.05.2018

VIELSCHICHTIGES FAMILIENDRAMA
Ayad Akhtar (…) vermag Konflikte höchst plastisch, unterhaltsam und amüsant aufzubereiten. (…) In „The Who and the What“ erzählt er über die Zerrissenheit von Immigranten, die zwar die neue Heimat lieben, sich aber nicht von den Werten ihrer Vorfahren lösen können. (…) Unangestrengt wie treffend findet das Stück so zu einem hohen Lied auf die Freiheit der Gedanken – oder wie es Zarinas Ehemann Eli einmal fragt: Soll denn gute Kunst nicht genau das bewirken?
Irene Bazinger, MOZ, 10./11.02.2018

EIN GROSSARTIGER TEXT
Sein Handwerk versteht (…) Akhtar perfekt. (…) „The Who and the What“ – ein Theaterstück, das auf vielen Ebenen begeistert. (…) Akhtar bringt nicht nur eine Reihe von Problemen in geschliffenen Dialogen zur Sprache, er erzeugt auch einen faszinierenden Spannungsbogen. Feinstes Theater.
M. Reichart, Kronen Zeitung, Kultur, 01.06.2018

Weitere Pressestimmen

So geht das allerbeste Theater:
Einfach mal mit sehr guten Schauspielern eine brisante Geschichte erzählen.
Stefan Grund, Die Welt, 16.01.2017

Ein großartiges Stück, das Debatten auslösen wird.
WAREN SIE LANGE NICHT MEHR IM THEATER?
Und finden Sie das schade, weil Sie eigentlich gern mal wieder ein tolles Theatererlebnis hätten? Dann haben wir was für Sie: Sehen Sie sich das Stück „The Who and the What“ des Pulitzerpreisträgers Ayad Akhtar an. Das Publikum war begeistert und wollte gar nicht mehr zu klatschen aufhören. Was dieses Stück so sehenswert macht, ist, dass es Menschen zeigt und keine Klischees. Die Fronten scheinen anfangs scheinbar klar und damit auch die Sympathien des Publikums. Aber so einfach ist es nicht. Man mag diesen knurrigen Über-Kümmerer irgendwie, der nicht aus seiner Haut kann. Er liebt seine Töchter, aber er ist gefangen in den Konventionen und Erwartungen seiner religiösen Community. Ayad Akhtar stellt im Grunde zwei simple Fragen: Was haben Menschen aus der Religion gemacht? Und was macht diese Religion mit den Menschen? Über Antworten kann man lange diskutieren. Dieses mitreißende Theaterstück lädt dazu ein.
Kester Schlenz, Stern (Kultur), 15.01.2017

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